Achse kritischer Schüler_innen Wien


Öffnung der Ehe für Alle!

15. Dezember 2017

Vergangene Woche haben wir ein besonderes, historisches Ereignis gefeiert. Die Öffnung der Ehe für alle.

Homosexualität ist so alt wie die Menschheit selbst und war immer schon ein Teil der Gesellschaft. Der Krieg und das nationalsozialistische Regime brachten viele Verschlechterungen in die Leben Homosexueller. Es wurden Paragraphen geschaffen, welche Homosexuelle, aber vor allem schwule Männer noch Jahre danach verfolgten. Homosexuelle und heterosexuelle Beziehungen waren auch nach dem Krieg nicht gleichgestellt und so standen gleichgeschlechtliche Handlungen in Österreich unter Strafe. Auch nach der Abschaffung dieses Gesetzes 1971 galt für gleich- und gegengeschlechtliche Paare ein unterschiedliches Schutzalter für sexuelle Handlungen, so war es für schwule und lesbische Jugendliche, bis 2002 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als menschenrechtswidrig eingestuft und auf 14 Jahre gesenkt wurde, illegal, vor dem Erreichen der Volljährigkeit Sex zu haben.

 

Mit dem 1.1.2010 trat dann das erste Gesetz in Kraft, welches das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Paaren definierte und ihnen eine eigene, modernere Institution bot, welche aber ursprünglich in 70 Punkten Unterschiede zur Ehe, und somit Diskriminierungen, festschrieb. Dabei handelte es sich um Ungleichbehandlungen wie zum Beispiel das Verbot des Ja-Worts, oder nicht die Möglichkeit, Zeug_innen zu haben. Aber auch strukturelle Nachteile waren darunter vorhanden, sowie keine Möglichkeit des Pflegeurlaubs oder kein Vertretungsrecht in Obsorgeangelegenheiten der Partner_innen. Der nächste Meilenstein wurde am 14. Jänner 2015 bekannt und zwar hat der Verfassungsgerichtshof das Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Partner_innenschaften aufgehoben. Somit war es seit dem 1.1.2016 für Homosexuelle in Österreich möglich, Kinder zu Adoptieren.

 

In der Zwischenzeit ist so Einiges passiert. Wir durften 2016 das erste Mal einen österreichischen Bundeskanzler auf der Regenbogenparade begrüßen, welcher sich auch ein Jahr später diese Gelegenheit nicht entgehen ließ. Im Nationalratswahlkampf stand für die Grünen zum ersten Mal eine lesbische Frau als Spitzenkandidatin auf der Wahlliste und ein roter, schwuler Bundesrat, der sich im Vorjahr als erster österreichischer Politiker und damals Präsident des Bundesrates, auf der Regenbogenparade outete, hat es geschafft, in den Nationalrat einzuziehen, um dort die Interessen von LGBTIQ-Personen zu vertreten. Kurze Zeit später gab der österreichische Verfassungsgerichtshof bekannt gegeben, er würde aufgrund von Klagen das Eherecht und das Partner_innenschaftsgesetz überprüfen, und bis zum Ende des Jahres zu einem Ergebnis zu kommen. Nun hatten wir den 5. Dezember 2017 und der Verfassungsgerichtshof, das älteste Höchstgericht der Welt, hat nicht nur gleichgeschlechtlich lebenden Personen die Möglichkeit gegeben, heiraten zu können, sondern er hat auch die eingetragene Partner_innenschaft für gegengeschlechtliche Partner_innenschaften geöffnet.

 

Es gibt natürlich einen Grund zur Freude, ja, aber der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Solange Homosexuelle noch aus öffentlichen Räumen, wie Kaffeehäusern oder Restaurants geworfen werden können und solange Sexualitäten, bei denen es sich nicht um die Heterosexualität handelt, in Schulbüchern auf der selben Seite wie Pädophilie und Fetische behandelt werden, sind wir noch weit entfernt von einer angstfreien und offenen Gesellschaft.