Achse kritischer Schüler_innen Wien


WeltAIDStag

4. Dezember 2017

AIDS ist eine durch das HI Virus hervorgerufene Erkrankung, welche weltweit ungefähr 37 Millionen Menschen das Leben erschwert. Es handelt sich dabei um eine Krankheit, bei der der Körper nicht in der Lage ist, auch gegen die kleinsten und harmlosesten Viren anzukämpfen, da das humane Immunsystem derartig geschwächt ist.
In Österreich wurden im Jahr 2016 447 Neudiagnosen registriert. Insgesamt sind es österreichweit etwa 12-15 Tausend Personen. Doch die Erkrankung ist nicht das einzige Problem, mit dem die Infizierten kämpfen müssen, sondern sie werden unter Anderem auch ständig einem gesellschaftlichen Druck ausgesetzt und von ihren Mitmenschen marginalisiert. Diese Diskriminierung ist auf die Wissenslücke innerhalb der Gesellschaft zurückzuführen, welche durch die geringe Thematisierung von HIV/AIDS entsteht. Dabei ist doch eben Prävention das Wichtigste und Bildung unsere mächtigste Waffe.

Der österreichische Aufklärungsunterricht ist weitaus veraltet und bietet nicht die wichtigen, erforderlichen Informationen, die Jugendliche in diesem Alter benötigen. Spricht man mit ihnen, so kann man von Glück reden, wenn diese überhaupt einen Aufklärungsunterricht an ihrer Schule bekommen haben. Von den Lehrpersonen wird er nämlich aufgrund von sexueller Tabuisierung sehr gerne verdrängt und weggelassen oder nur verkürzt und nicht vollständig behandelt. Dabei gehen für das spätere Leben der Schüler_innen wichtige Informationen verloren. Deshalb greifen viele Jugendliche auf andere Möglichkeiten zurück – auf Pornografie. Wissen über Sexualität aus pornografischen Inhalten zu entnehmen kann gefährlich werden. Fast alle Pornos sind nämlich auf den Mann zugeschnitten und in den meisten werden keine Kondome verwendet. Alleine diese Tatsache schafft ein falsches Bild von Sex, welches junge Menschen nicht von alleine reflektieren. Das ist jedoch nicht die einzige Problematik an Pornografie. Auch die dargestellten Körper stellen ein wesentliches Problem dar und führen dazu, dass Jugendliche mit ihren eigenen Körpern unzufrieden sind.

Das alles sind Informationen, welche wir von geschulten Expert_innen, im Optimalfall, von den eigenen Lehrer_innen erhalten sollten und nicht aus dem Internet. Es ist inakzeptabel, dass die österreichische Bildung bei diesem Thema so sehr versagt. Im Jahr 2017 muss es doch möglich sein, offen und ohne Tabus über Sexualität zu reden. Sie betrifft uns alle und doch traut sich niemand, darüber zu reden. Da muss sich jedoch Einiges ändern, um sicher zu stellen, dass nicht 2 neue HIV-Infizierte auf der Tagesordnung stehen, sondern 2 bis keine pro Jahr.

Um erfolgreich einen Aufklärungsunterricht aus dem 21. Jahrhundert durchzusetzen fordern wir:
– Die Auseinandersetzung mit gendergerechter und sensibler Sprache im Rahmen des Biologie- und des Sprachunterrichts, sowie die Erweiterung ihrer Lehrpläne um diese Themen
– Die ausführliche Auseinandersetzung – auch außerhalb des Hetero- und CIS-Normativen Mainstreams – mit den Themen Geschlecht, Sexualität, Identität, Sex, Verhütung, Menstruation und Schwangerschaftsabbruch im Rahmen des Biologie-Unterrichts, sowie die Verankerung dieser Themen im Lehrplan
– Die kritische Auseinandersetzung mit Pornografie, Body-Shaming und Slut-Shaming im Rahmen des Biologieunterrichts, sowie die Verankerung dieser Themen im Lehrplan
– Die Thematisierung der Wichtigkeit der Zustimmung aller beteiligten Personen bei sexuellen Handlungen, als auch die Thematisierung von individuellen, persönlichen Grenzen im Rahmen des Biologieunterrichts, sowie die Verankerung dieser Themen im Lehrplan
– Verpflichtende Fortbildungen in Sexualpädagogik für Biologie-Lehrer_innen oder verpflichtende Schulworkshops von qualifizierten Sexualpädagog_innen
– Gratis Verhütungsmittel an Schulen
– Gratis Hygieneartikel wie Binden und Tampons an Schulen