Achse kritischer Schüler_innen Wien

LGBTQIAP+

Wir setzen uns für eine offene Gesellschaft ein, in der sich alle Menschen wohlfühlen können, egal wie sie ihre Sexualität bzw. Identität definieren.

Sexualität & Identität – was ist damit gemeint?

Identität ist das, was einen Menschen ausmacht. Sie ist das, was Personen von anderen unterscheidet. Sie kann nicht leicht beschrieben werden, weil sie aus all den Dingen und Beziehungen (im weitesten Sinne) besteht, die für eine_n selbst wichtig sind, die eine_n beeinflussen bzw. beeinflusst haben.

Sexualität bezieht sich darauf, von wem ein Mensch sich angezogen fühlt. Es gibt so viele Sexualitäten wie Menschen, auch wenn unsere Gesellschaft die vielen verschiedenen Sexualitäten auf ein paar wenige Begriffe beschränkt. Hierbei ist es wichtig, dass die Selbstdefinition einer Person immer akzeptiert werden muss.

LGBTQIA+ – Was bedeutet das eigentlich?

L = Lesbian; G = Gay

Fühlt sich ein Mensch zum eigenen Geschlecht hingezogen, so wird er_sie als homosexuell bezeichnet. Dabei nennt man Frauen meist lesbisch und Männer schwul, aber der Begriff „Homosexualität“ bezeichnet grundsätzlich sowohl Frauen als auch Männer. Der englische Begriff „gay“ bezeichnet sehr häufig nur schwule Männer, wird jedoch auch als generelles Wort für homosexuell verwendet.

B = Bisexual

Wenn jemand sich zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt, so wird der Begriff „bisexuell“ verwendet. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die meisten Menschen die Fähigkeit haben, sich in beide Geschlechter zu verlieben.

T = Trans*

Trans* ist eine Sammelbezeichnung für Menschen, die herkömmliche Geschlechtsgrenzen überschreiten. Dies kann einen temporären oder permanenten Geschlechtswechsel innerhalb des binären Geschlechtermodells (Mann und Frau) bedeuten. Es kann aber auch bedeuten, dass eine Person sich in beiden Geschlechtern oder in keinem der beiden Geschlechtern identifiziert.

Q = Queer

Diese Bezeichnung verwenden Menschen, die verschiedene gesellschaftlich konstruierte Kategorien wie zum Beispiel Geschlecht oder auch Nationalitäten usw kritisieren. „Queer“ umfasst einerseits alle Begriffe der Sexualität und Identität, andererseits lehnt „queer“ diese Begriffe ab und bekämpft Schubladendenken.

I = Intersex

Werden Menschen mit biologischen Geschlechtsmerkmalen von beiden Geschlechtern geboren, so nennt man sie „intersex“. Noch heute werden die äußerlichen Geschlechtsmerkmale schon kurz nach der Geburt operativ an eines der beiden Geschlechter angepasst. Das kann oft zu Problemen im späteren Leben führen, weil die Betroffenen sich nicht als ihr künstlich hergestelltes Geschlecht fühlen.

A = Asexual

„Asexualität“ bezeichnet die Abwesenheit sexueller Anziehung zu anderen, oder Mangel an Interesse beziehungsweise Verlangen nach Sex.Diese ist nicht gleichbedeutend mit sexueller Abstinenz, welche den selbst auferlegten Verzicht auf sexuelle Aktivitäten trotz vorhandener Fähigkeit und Motivation dafür bezeichnet.

+ = Platz für alle

Das Plus steht für alle weiteren Sexualitäten bzw. Identitäten. Wir versuchen, nicht in Schubladen zu denken. Daher gehen wir auch davon aus, dass es so viele Sexualitäten bzw. Identitäten gibt, wie es Menschen gibt. Die verwendeten Begriffe dienen als Hilfe, sich auszudrücken und über Themen reden zu können.

Du hasst mich, weil ich dich lieben könnte…

Unter dem Begriff Homophobie versteht man die irrationale, sachlich durch nichts zu begründende Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen, sowie die oft ins Unterbewusste verdrängte Angst vor eigenen unterdrückten homosexuellen Persönlichkeitsanteilen, wie auch die daraus resultierenden Gefühle wie Ekel, Verachtung und Hass.

Aus psychologischer Sicht handelt es sich bei Homophonie – wie bei Sexismus, Rassismus oder Antisemitismus – um eine meist unbewusste Angst, die eigene Identität in Frage zu stellen, wobei sich das eigene Ich im Zwiespalt befindet.

Ähnlich entsteht auch Trans*phobie, die irrationale Angst vor Trans*identitäten, jedoch muss die Ausprägung der daraus resultierende Diskriminierung deutlich von homophober Diskriminierung unterschieden werden.

“Ich bin doch nicht schwul”

Je nach Ausprägung reicht Homophobie von Vorurteilen über Befürwortung von Diskriminierung und staatliche Unterdrückung bis hin zu äußerstem Hass und körperlicher Gewalt gegen Homosexuelle und Trans*personen. Es sind Fälle bekannt, in denen Homosexuelle nur wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet wurden. In einigen Staaten ist die Tötung von Homosexuellen sogar heutzutage noch staatlich organisiert.
Homo- und trans*phob verhalten sich oft Institutionen und gesellschaftliche Subsysteme. Das Christ_innentum lehnt gelebte Homosexualität strikt ab, die Wissenschaft hat lange Zeit Homosexualität als kriminell und später als krankhaft beschrieben und nur langsam werden Politik und Justiz toleranter. Trans*personen werden durch die aktuelle Gesetzeslage um einiges stärker diskriminiert. So sind alle offiziellen Dokumente in Österreich auf zwei Geschlechter reduziert, in die sich viele nicht einordnen können oder wollen.
Vor allem Medien reproduzieren oft gängige Klischees gegenüber Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen.

Diskriminierung & Schule

Gerade in der Schule und während der Pubertät ist es für homosexuelle Jugendliche schwierig ihre Sexualität offen zu leben, denn der Gruppendruck lässt es nicht zu anders zu sein. Aussagen wie „Du, Schwuchtel“, die unter halbwüchsigen Jungs schon öfters mal fallen, ermuntern sicher niemanden zu einem „Coming-out“.

Anstatt Vorurteile zu klären und im Unterricht das Thema LGBTQIA+ aufzugreifen, wird die Situation oftmals mit abfälligen Bemerkungen von manchen Lehrer_innen verschlimmert. Sexualitäten abseits von Heterosexualität werden kaum thematisiert und wenn, dann als Randerscheinung abseits der Norm. Wir erfahren zwar in der Schule wie Sex zwischen heterosexuellen Menschen funktioniert aber Homosexualität wird dabei nicht erwähnt. Auch im Deutschunterricht hat man das Gefühl als existieren nur Liebesgeschichten zwischen Mann und Frau à la Romeo und Julia. Selbst in Geschichte könnte man meinen, dass Homosexualität ein „Phänomen“ der 60-ger Jahre ist, denn im Unterricht wird nicht erwähnt, dass es auch schon vorher berühmte Personen gab, die homosexuell waren. Trans* wird ebenso nach wie vor oft als psychische Störung dargestellt.

„Mind the gap“

Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmedium und kann Ungerechtigkeiten aufzeigen, aber auch gängige Normen reproduzieren. Es ist wichtig, auf das eigene Sprachverhalten zu achten. „Schwul“ wird vor allem unter Jugendlichen oft unreflektiert als Schimpfwort verwendet und macht es für Homosexuelle noch schwieriger. Unsere Sprache ist männlich dominiert; für Mehrzahlformen wird meist nur die männliche Form verwendet, wodurch man im Kopf als erstes das Bild von Männern hat. Es ist uns als AKS wichtig, Frauen genauso den Raum in der Sprache zu geben, der ihnen zusteht. Diese Einteilung in zwei Geschlechter wirft aber auch Probleme auf, eine Möglichkeit hierbei ist der Gender Gap (Unterstrich zwischen männlicher und weiblicher Form z.B. Schüler_innen), der Platz für alle anderen Sexualitäten und Identitäten schaffen soll. In der gesprochenen Sprache ist es aber sehr schwierig, das darzustellen. Eine Möglichkeit ist es, eine kurze Pause zwischen der männlichen und weiblichen Endung zu machen. Ein anderer Versuch, alle einzubeziehen, ist der Gender Star, bei dem ein Stern bei geschlechtsspezifischen Wörtern verwendet wird (Bsp.: Frauen*, Männer*). Der Gender Star soll auch dazu anregen, Normen zu hinterfragen. Generell gilt es, unser Sprachverhalten immer wieder zu reflektieren und kreativ neue Ideen auszuprobieren.